Montag, 19. Dezember 2011

Leon Battista Alberti - Della Pittura

Leon Battista Alberti, Allrounder der Renaissance
*1404 Genua, † 1472 in Rom

Schriftsteller, Kunsttheoretiker, Mathematiker, Architekt, Bildhauer - nach Vasari jedoch in der Malerei kein Meister

bedeutende Werke: Della Pittura (1435), De Sculptura (vor 1435), De re Aedificatoria(vor 1452), Santa Maria Novella/Florenz (1470 vollendet), Sant'Andrea/Mantua (Baubeginn 1472)




Della Pittura wendet sich an Künstler, so wie an Gelehrte und Kunstliebhaber, sodass Alberti die Sprachbarriere überwinden wollte, indem er in Latein sowie in Italienisch schrieb.





Ursprung der Malerei

Das Kunstgeschick (industria) bildet mit dem Fleiß (diligenzia) die schöpferische Fähigkeit (ingegno), das durch Tugenden wie Willensstärke und Ausdauer ausgezeichnet wird und mit den "alten" Künsten, die ohne Lehrmeister angeeignet wurden, auf gleicher Stufe steht.

Bei den plastischen Künsten findet eine Reihe von Handlungen statt: Aus der geistigen Erfindung (inventum) kommt es zur Verstärkung der Nachahmung zur Verstärkung der Ähnlichkeit (Kunst als Reproduktion/Abbild der Natur). Durch das experimentelle Hinzufügen und Wegnehmen entsteht aus einer formlosen Materie jedes ähnliche Bildwerk (simulacrum), da es wiederum ein Abbild der Idee oder sogar noch Skizze ist.
Nach Alberti findet die Malerei ihren Ursprung im Spiegelbild im Wasser bzw. dem Schattenbild nach dem eine Umrißzeichnung gefertigt wird.

Grundlagen des Malers: Geometrie und Optik

Alberti bezieht bei diesem Abschnitt die Position des Malers und nicht des Mathematikers, um so ebenfalls für die (ungebildeten) Künstler verständlich zu sein.
Ausgehend von Euklid (*330 v. Chr), der Punkte nicht als Teile ansieht, führt Alberti die Zeichentheorie ein, nach der Punkte (Zeichen - segno) unteilbare Markierungen in der Malerei sind.
Er vergleicht eine Fläche mit Linien mit einem Gewebe, in dem die Linien die einzelnen Fäden, die Begrenzung der Fläche der Saum und die Begrenzung eines Kreises ein Kranz ist. Dabei stellt sich die Fläche je nach Lage und Beleuchtung anders dar.

Für die Erklärung und Berechnung der Perspektive entwickelt Alberti die Sehpyramide (pirramide visiva). (Achtung, kompliziert!)


via


Die Spitze der Pyramide, der rote Punkt also, sitzt im Auge und ist der Zentralpunkt (Fluchtpunkt), in dem die Strahlen zur Grundlinie verbunden werden. Die äußeren Strahlen der Pyramide tasten den Umfang der Fläche ab, die mittleren nehmen Farb- und Lichtsituationen an. Der menschliche Körper ist in 3 Abschnitte geteilt (braccio), deren Maß ebenfalls für die Abstände auf der Grundlinie zwischen den Strahlen der Pyramide gelten. Voraussetzung: Betrachter + Darstellung auf einer Ebene!

Der rote Kasten ist die Leinwand. Vom Augenpunkt wird eine waagerechte Linie gezogen, das ist der Horizont. Der zweite linke rote Punkt kennzeichnet die Entfernung des Auges zur Bildebene.


Das Velum


Dürer


Das Velum (Schleier) ist ein Tuch mit einem Fadengitter (senkrechter Schnitt durch die Sehpyramide) und dient zur Umschreibung der Körper. Es ist nur leicht durchsichtig und erlaubt eine perspektivisch richtige Reduktion von Räumen und Körpern auf einer Fläche.

Hand und ingenium des Malers

Das Ingenium ist eine durch den Verstand und dem Urteil entwickelte produktive Begabung, die von der Natur verliehen wurde. Gleichzusetzen wäre das mit dem Geist, Verstand, der Vernunft.
Die Malerei war vor der Renaissance ein Handwerk, das Alberti nun als geistige Tätigkeit zu legitimieren versucht. Er verknüpft beide Bereiche indem er die Erfindung (geistig) der Komposition voraussetzt. Die Hand wird durch Methode, Planung und Übung geleitet. Als Vorbild soll hier die Rhetorik gelten. Durch diese Sichtweise wird die handwerkliche Tätigkeit nobilitiert und das soziale Ansehen der Maler steigt. Der gesammte Vorgang nun vereinfach:
Erfindung -> Skizze -> detaillierter Entwurf -> praktische Tätigkeit -> Gemälde

Istoria

Die Istoria ist das größte, letzte und vollkommenste Werk des Malers. Unter diesem Aspekt führt Alberti die Bildgattungen ein:
- Taten von Monarchen in öffentlichen Gebäuden
- bürgerliches Leben in privaten Händen
- Leben auf dem Land für Gärten
Nach der Istoria muss die Fülle (Copia) und die Mannigfaltigkeit (varietà) beachtet werden. Das bedeutet, dass die einzelnen Komponenten wie Figuren, Schauplätze, Gebäude mit dem Geschehen übereinstimmen sollen. Zwar darf nicht an der Zahl übertrieben werden, die Vielgestaltigkeit der Körper aber ist anzustreben.

Als Beispiel:

Aufopferung der Iphigenie nach Timanthes, aus Pompeji,nach 62 n.Chr. Museo Nazionale Archaeologico Neapel





Falls an dieser Stelle Fragen aufkommen - einfach raus damit. Ich werde versuchen sie so gut wie möglich zu beantworten. Die Sehpyramide allerdings ist nicht so einfach zu verstehen und kann auch von der heutigen Kunstgeschichte und Physik nicht nachvollzogen werden.

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