Dienstag, 14. Februar 2012

Pfisterer - Die Kunstliteratur der italienischen Renaissance

Prof. Dr. Ulrich Pfisterer wurde 1968 geboren und ist heute im Lehrstuhl für Allgemeine Kunstgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Kunst Italiens am Institut für Kunstgeschichte der LMU, München.

Diese Reclam-Ausgabe kann ich Kunsttheorie Interessierten wärmstens empfehlen. Pfisterer versucht möglichst viele Standpunkte verschiedener Zeitgenossen der Renaissance (u.a. auch kaum bekannte) aufzugreifen und sortiert ihre Zitate mit kurzen Zusammenfassungen thematisch. Auch am Anfang eines Überthemas kommt jeweils eine kurze Zusammenfassung der historischen und inhaltlichen Kontexte.
Allerdings hätte ich mir an einigen Stellen längere Zitate gewünscht.

Ich werde hier nur einzelne Aspekte herausgreifen, die sich in weiteren Texten, die ich bearbeiten werde, wiederholen werden.


Die Person des Künstlers


In der Antike waren Künstler nur einfache Handwerker.
Im Mittelalter waren die Künstler endlich stolz auf ihre Leistung und nahmen sich die antiken „göttlichen“ Künstler als Vorbild. Diese Göttlichkeit wurde ihnen durch ihre selbstsichere und unbegrenzte Erfahrungs- und Schöpferkraft gegeben.

Somit erfuhr er einen sozialen Aufstieg, in dem er einen Platz am Hof neben politischen Personen fand. Das allgemeine Interesse an Kunst und dem Künstler selbst stieg, sodass Viten überformt wurden, sogar in die Selbstinszenierung über gingen (Alberti heroisiert sich selbst) und sie mit „Buchintellektuellen“ gleichgesetzt oder gar als überlegen dargestellt wurden. Darunter musste schließlich der Wahrheitsgehalt der Abbildungen und Viten leiden. Viel mehr konzentrierte man sich nun auf seine eigene Sonderstellung und Einzigartigkeit über die Gesetze.

Es schickte sich nun als Künstler melancholisch bizarr zu sein. Seine außergewöhnliche Begabung (ingenium) war angeboren und konnte somit auch nicht von anderen erlernt werden. Entweder war man künstlerisch begabt oder nicht. Auch durch ihre Kleidung grenzten sich die Künstler von ihren Mitmenschen ab.


Wer kann Kunst bewerten?


Alberti traut jedem Menschen die Fähigkeit zu, Kunst zu beurteilen. Inspiriert durch die Antike, in der die Zustimmung aller das beste Wahrheitskriterium bildet, sieht Alberti die Zusammenführung von gesammelter Meinung aller Betrachter als Wegweiser zu einem vollkommenen Werk. Schon Platon glaubte an ein Kunsturteil, das trotz mangelnder Bildung und fehlender Anschauung intuitiv ist. Jeder Mensch ist fähig, sich unvollkommene Schönheit und Kunst vorzustellen.

Auch der Künstler soll sein Werk beurteilen können. Als Hilfe schlägt Alberti einen Spiegel vor, der so platziert ist, dass das Werk während des Malprozesses aus einiger Entfernung betrachtet werden kann. Leonardo jedoch ist überzeugt davon, dass wenige Striche und Partien mit tagelangen Pausen mehr Distanz schaffen, um ein guter Perspektiviker zu werden. Nur das Resultat richtiger Proportionen erweckt einen Eindruck von Schönheit, während das Gegenteil von Hässlichkeit zeugt.


Nachahmung


Bereits Seneca verglich eine gute Nachahmung (imitatio mit der Ähnlichkeit zwischen Eltern und Kindern. Die Kinder sind eine Nachahmung des Erscheinungsbildes der Eltern, unterscheiden sich jedoch immer noch in einigen physiognomischen Merkmalen. Auf die Kunst übertragen gibt es nun die "lebensnahen" und die "toten" Abbilder. Eine "lebensnahe" Imitatio gibt das Original nur grob wieder, in dem es im eigenen Stil des Künstlers an die Gesamtkomposition angepasst wird. Auch sollen nur die besten Elemente eines Werkes übernommen werden, da man durch die schlechteren selbst schlecht wird. Jedoch sollte über dem besten Künstler immer noch die Natur als Vorbild stehen.
Somit ist die endgültige Aufgabe des Künstlers die Natur in ihrem Werk zu verbessert und zu idealisieren.
Der Theologe Nikolaus von Kues beschrieb diese Nachahmung als "Weitteifern mit der göttlichen Schöpfung". Der Mensch selbst ist ein Abbild und Produkt Gottes, sodass das Selbstportrait des Malers nur die Reproduktion einer Reproduktion ist, bei dem einzelne Aspekte widerum verloren gehen. Es wird also zu einem "toten" Abbild.

Quelle:
Die Kunstliteratur der italienischen Renaissance: Eine Geschichte in Quellen, Ulrich Pfisterer,2002

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