Dienstag, 28. August 2012

Alltag: Bewerbungen...

Praktika. Ich kann das Wort nicht mehr hören.
Wir leben in einer Gesellschaft, die sich durch Praktika am Leben erhält. Warum eine Festanstellung oder einen Nebenjobber, wenn man doch einen willigen Praktikanten findet, der sogar mehr leistet, dafür aber weniger Geld bekommt? Ausbeuterei. Genau das denke ich mir auf meiner Praktikumssuche.

Alles fängt mit der Suche an. Wo soll man suchen? Wonach soll man suchen? Ist das Jobportal seriös genug? Und warum zur Hölle gibt es nichts aus meinem Bereich?
Woche für Woche durchstöbere ich mehrere Kunsthistoriker Websites mit der Hoffnung am Ende doch nicht im Museum zu landen. Die interessantesten Stellen sind in Städten wie Wien oder Berlin, doch die Kohle, um dort solange eine Unterkunft zu haben, muss noch gescheffelt werden.

Findet man doch noch etwas ansprechendes in der Nähe, scheitert man direkt beim Schreiben der Bewerbungen. Jetzt gerade schreibe ich auch lieber diesen Post, als mich an die nächste Bewerbung zu setzen, die momentan nur aus dem Einzeiler "Sehr geehrte Frau M." besteht. Jeder weitere Satz, der mir einfällt, fängt mit "ich" an. Schon aus der Schule weiß man, dass es nicht der optimalste Einstieg ist. Ist allerdings der Anfang bereits gemacht, muss man den schmalen Grad zwischen Arschkriecherei und unerträglicher Selbstverliebtheit finden.

Ich weiß nicht, wie vielen von euch das schon passiert ist: Das Fehlinterpretieren der Antwort. Voller Freude erscheint man dann, um festzustellen, dass man zu einem Bewerbungsgespräch geladen wurde, das sich eher wie ein Zeugenverhör anfühlt. Gehört man noch zu dem schüchternen, unspontanen Typ wie ich, stottert man sich qualvoll durch das Gespräch, um am Ende feststellen zu dürfen, dass einem der Posten doch nicht gefällt (in meinem Fall war es eine Galerie) oder aus einem "Wir geben Ihnen Bescheid, wann Sie anfangen dürfen" ein "Wir melden uns, falls im Monat X noch was frei ist".

Deshalb schiebe ich die nächsten Bewerbungen vor mich her, habe momentan 10 Tabs im Browser geöffnet und starre auf die Tastatur. Motiviert bin ich nicht mehr, ich sehe mich bereits im Museum. Einen letzten Versuch bei Online Magazinen und Forschungsinstituten starte ich noch.

1 Kommentar:

  1. Du sprichst mir aus der Seele. Mit meinem Studiengang finde ich auch nichts passables. Zwar könnte ich mich bei einem Verlag bewerben, aber die suchen Praktikanten für Oktober und da fängt das Semester an. Zudem brauchen sie jemand für 6 Monate, unbezahlt, 5x die Woche - und da frage ich mich doch, wie ich mir dann noch Wohnung und Essen leisten soll, wenn ich ein halbes Jahr umsonst arbeiten darf.

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